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| im Format: 'tt.mm.jj' |
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| Politik |
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»Ist ein Arbeiter weniger Ehren
wert?« Schwieriges Gedenken an einen
kommunistischen Widerstandskämpfer Von Uwe
Ruprecht Ist ein
Widerstandskämpfer gegen die Nazis schon deshalb keiner Ehren wert,
weil er später in der DDR lebte? Über diese Frage streiten zur Zeit
die Politiker in der niedersächsischen Kleinstadt Buxtehude bei
Hamburg. Auslöser war der Vorschlag, Rudolf Welskopf anlässlich
seines 100.Geburtstages am 26.August mit einem Straßennamen, einer
Gedenktafel oder einer Ausstellung zu würdigen. »Sein Handeln,
sein Denken, seine knappen Worte entsprachen sich und waren immer
ohne Umschweife auf das Wesentliche gerichtet. Er war aus einem
Guss, er besaß die Unbeugsamkeit des Charakters, die den Menschen in
den Zeiten der Gefahr zum Helden macht.« So beschreibt Liselotte
Welskopf-Henrich in ihrem dokumentarischen Roman »Jan und Jutta«
(1954) ihren Ehemann. Der gelernte Zimmermann Rudolf Welskopf
leitete die einzige organisierte Widerstandsstruktur gegen das
NS-Regime in der Unterelbe-Region, der von einer Untergrund-Zelle
der KPD ausging. Nach deren Zerschlagung im Sommer 1934 verbrachte
Welskopf zehn Jahre in Gefängnissen, Zuchthäusern und KZs. Mit zwei
anderen Häftlingen gelang ihm 1936 die Flucht aus einem Arbeitslager
im Moor. Als sie bei einem ehemaligen Genossen in Buxtehude
Unterschlupf suchten, verriet dieser sie an die Polizei. Nachdem
Welskopf seine Strafhaft verbüßt hatte, wurde er 1940 als
»Volksschädling« ins KZ Sachsenhausen eingewiesen. Im Juli 1944
konnte er mit Hilfe seiner späteren Frau aus einem Arbeitskommando
in Berlin-Lichterfelde entkommen und das Kriegsende in Freiheit
erleben. Während Liselotte Welskopf-Henrich durch ihre in Ost und
West gleichermaßen geschätzten Indianerromane (»Die Söhne der Großen
Bärin«) berühmt wurde, arbeitete Rudolf Welskopf bis zu seiner
Pensionierung 1962 als Abteilungsleiter in einem
Reichsbahnbaubetrieb. Er starb am 17.Januar 1979. »Wir müssen in
Erfahrung bringen, wie er zur DDR stand und wie er sich dort
verhalten hat«, formuliert ein verantwortlicher SPD-Politiker in
Buxtehude seine Vorbehalte gegen eine Ehrung Welskopfs, die von der
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten
(VVN-BdA) vorgeschlagen wurde. Eine Straße nach ihm zu benennen,
komme nicht in Frage, weil er der DDR positiv gegenüber stand, meint
auch die lokale FDP. Anlass für Zweifel an der persönlichen
Integrität Welskopfs haben die Gegner der Ehrung eigentlich nicht.
Ausgenommen die Tatsache, dass er loyaler Bürger der DDR war.
»Wir im Osten sind es ja seit zwölf Jahren gewohnt, nach
Aktenlage beurteilt zu werden«, sagt dazu sein Sohn Dr. Rudolf
Welskopf. Der 54-jährige Soziologe aus Berlin führt aus: »Die Frage
ist einfach: Will man kommunistische Widerstandskämpfer immer noch
ausgrenzen? Ist ein Arbeiter weniger Ehre wert als ein
Wehrmachtsoffizier? Mein Vater war Kommunist geworden, weil es
seiner Lebenserfahrung als Arbeiter entsprach. Er hielt die DDR Zeit
seines Lebens für den ›besseren‹ deutschen Staat, denn mit einem
Deutschland, in dem Altnazis maßgebliche Rollen spielten, konnte er
sich nicht anfreunden. Der ›real existierende Sozialismus‹
enttäuschte mehr als einmal seine Ideale. Aber einem Außenstehenden
hätte er darüber nie berichtet.« Inzwischen zeichnet sich ab,
dass sich die Politiker in Buxtehude mit einer Ausstellung als der
am wenigsten dauerhaften Form der Erinnerung an den Antifaschisten
anfreunden könnten.
(ND 01.08.02) | |